Visual Storytelling am Flipchart

Visual Storytelling am Flipchart heißt, anders zu denken

Wer mit Visual Storytelling Flipcharts gestalten möchte, sollte sich bewusst machen, welches „Denkmuster“ dem Storytelling mit Bildern zugrunde liegen und was das für die Gestaltung von Flipcharts bedeutet.

Bei Flipcharts unterscheiden wir zwischen zwei grundsätzlichen Typen: Zum einen so genannte Text-Flipcharts und zum anderen die Art, die wir für Visual Storytelling benötigen. Ich nenne sie jetzt einfach mal Bild-Flipcharts. (Natürlich gibt es auch Mischformen, aber mit diesen beschäftigen wir uns jetzt erst mal nicht, weil es zu komplex würde.)

Flipchartpräsentationen mit Texten bzw. Bildern unterscheiden sich grundlegend.

Auf Text-Flipcharts wird überwiegend oder fast ausschließlich mit Wörtern (Stichwörtern, Bullet Points, geschriebenen Zeilen) gearbeitet. Bild-Flipcharts werden überwiegend mit Zeichnungen, Symbolen, Bildelementen gestaltet. Soweit ist es leicht nachvollziehbar.

Aber jetzt kommt der entscheidende Punkt: Die Regeln, die für Text-Flipcharts gelten, sind grundlegend andere als die Regeln, die für Bild-Flipcharts gelten!

Die wichtigste Regel für Visual Storytelling lautet:  Baue deine Flipcharts von unten links nach oben rechts auf!

Text-Flipcharts werden wie ein Text aufgebaut und „gelesen“.
Beim Lesen beginnen wir oben, wo die Überschrift steht. Dann folgt eine Aufzählung (Bullet Points). Und wenn das Flipchart vollgeschrieben ist, endet der Text unten rechts.

Bild-Flipcharts werden wie Bilder aufgebaut und angeschaut.
Bei visuellen Flipcharts gibt es erst einmal keinen fixen Startpunkt. Je nach Bild fängt man dort an zu schauen, wo der Blick hingelenkt wird. Dies wiederum hängt von der Bildkomposition ab, von der Perspektive, von den Größen der dargestellten Figuren.

Tipp: Wer das mal testen will, geht einfach ins Kunstmuseum oder schaut sich im Internet verschiedene Gemälde oder Zeichnungen an. In jedem Bild ist der Fokus ein anderer. In jedem Bild bewegt sich der Blick auf andere Art und Weise über das Bild.

Zwei Gründe, warum es wichtig ist, Flipcharts mit Visual Storytelling von unten nach oben aufzubauen

1. Psychologischer Grund: Auf Bildern interpretieren wir die Bewegung nach oben als Steigerung, Verbesserung, Optimierung. Diese Interpretation funktioniert bei Börsenkursen genauso wie bei Fresken in Kirchen: Wenn’s nach oben geht, ist es gut (Gewinn bzw. Himmel). Wenn’s nach unten geht, ist es schlecht (Verlust bzw. Hölle). Das war jetzt eine sehr vereinfachte Erklärung, aber sie beschreibt das, was in unserem Kopf (unterbewusst) vor sich geht.

Mit einem Bild-Flipchart, wo alles nach unten, hinab, abwärts führt, wird unterschwellig etwas Negatives, ein Absinken, ein Verlust, ein „Weniger“ kommuniziert.

2. Praktischer Grund: Nur wenn wir das Flipchart schräg verwenden, haben wir den maximalen Platz zur Verfügung. Angenommen, ich hätte keine Bergtour dargestellt, sondern eine Fahrt über das Meer – was dann? Das wäre genauso möglich gewesen. In diesem Fall hätte ich das Meer perspektivisch so dargestellt, dass der Horizont ganz oben am Rand des Flipcharts gewesen wäre und das Schiff am Flipchart also von unten schräg nach oben fahren würde.

Wer einmal selber in 1-2 Minuten die unmittelbare Wirkung von Flipcharts testen möchte,
findet auf meiner Pinterest-Seite in meinem Board Flipcharts eine Sammlung von unterschiedlichen Flipcharts (nicht von mir, sondern aus dem Internet gesammelt).

Beim Betrachten der Flipcharts kann man das Wissen über Text- und Bild-Flipcharts auf die dort vorhandenen Beispiel-Flipcharts anwendet: Welche Flipcharts „funktionieren“? D.h. welche Flipcharts versteht man auf Anhieb? Bei welchen muss der Blick lange herumsuchen, um sich zu orientieren? Wie trägt der Aufbau, die Größe der Elemente, die Perspektive des Flipcharts zu diesem Eindruck bei?

Spannende Insights
wünscht

Barbara

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